Collagen
Die Collagen von Marcelle Cahn sind zweifellos der persönlichste Ausdruck ihrer Sensibilität. Das Musée d’Art Moderne et Contemporain de Strasbourg (MAMCS) besitzt fast 200 dieser Werke, die die Künstlerin dem Museum 1980 vermachte. Im März 2004 zeigte eine kleine Ausstellung im MAMCS eine Auswahl dieser Collagen.
„Die Collagen von Marcelle Cahn sind eine Art Theater ohne Vorhang, ohne Figuren, ja sogar ohne Thema und dennoch voller Überraschungen. Seit langem schon bin ich ihrem Charme erlegen. Er hat mich nie enttäuscht. Unabhängig vom Format ihrer Werke – manche sind Miniaturen – behauptet sich das Monumentale; der Blick des Betrachters träumt sie groß.“ Michel Seuphor, 1971.
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Collage, Klebepunkte und Etiketten auf einem Bogen selbstklebender Punkte.
14,7 x 13,2 cm.
Privatsammlung. Alle Rechte vorbehalten
Foto: S. Mroczkowski
Die hier abgebildete Collage stammt aus dem Jahr 1950 und ist typisch für ihre Arbeiten mit selbstklebenden Punkten. Die Formen scheinen völlig frei auf der blauen Oberfläche zu schweben. Ein Tanz beginnt, als würde ein leichter Wind über die kleinen Papierstücke wehen. Dennoch verliert diese kleine Collage keineswegs jene strukturelle Strenge, die Marcelle Cahn bereits ab 1925 für sich beanspruchte.
Bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass der Träger dieser Collage ein Bogen mit blauen Etiketten ist. Dieser Bogen wird zur eigentlichen Komposition des Werkes mit seinen dichten Formen: Rauten, Dreiecke, Quadrate, Kreise… Und es ist, als würde die leichte Abnutzung, die die Künstlerin dem Papier zugefügt hat, die durch die Fugen der Hintergrund-Klebepunkte vorgegebene Struktur noch zusätzlich verstärken.
Der Bildträger hat hier eine wesentliche Bedeutung; er ist bereits komponiert und weist bereits eine farbliche Dominante auf – dieses leicht abgenutzte Blau –, aber er dient auch als Reservoir für Formen. Wie die abgelösten Formen unten rechts beweisen, wäre es durchaus möglich, diese Aufkleber in anderen Collagen aus derselben Zeit wiederzufinden.
Die geometrischen Formen befinden sich in einer ständigen Verschiebung, auf der Suche nach einem Rhythmus, der weder repetitiv noch mechanisch, sondern im Gegenteil lebendig, leicht und voller Fantasie ist. In derselben Collage haben sich einige Formen verschoben: Der leicht nachgedunkelte Kreis unten links scheint aus der Kreisreihe oben zu stammen; eine Raute wird nach oben rechts projiziert, überlagert ihre Nachbarin und verbindet sich mit den anderen, um eine Richtung vorzugeben. Eine konstruierte Struktur, der mechanische Zuschnitt der Etiketten und eine verblüffende Freiheit in ihren Verschiebungen und Assoziationen.
Ein prekäres Gleichgewicht, eine Spannung. Wie Marie Luise Syring schreibt, schafft Marcelle Cahn „ein dialektisches Gegenstück zum reinen Gebrauchswert der Dinge. Es sind Rekonstruktionen, es ist eine rekonstruierte Welt.“ (1) Die Künstlerin rekonstruiert eine Welt aus den Bruchstücken der Realität; die winzigsten Dinge werden zu den umfassendsten.
Stéphane Mroczkowski
(1) Marie Luise Syring, „Du purisme à l’abstraction puriste“ (Vom Purismus zur puristischen Abstraktion), Übersetzung Inge Hanneforth, Katalog, Paris, Galerie Lahumière, 1997.
Nach einer Collage von Marcelle Cahn und mit ihrer freundlichen Genehmigung
116,5 x 93 cm, Wolle, gewebt von Christine Kopferschmitt
Privatsammlung. Alle Rechte vorbehalten
Foto: J-F. Biellmann
Collage, Klebepunkte auf Punkterasterpapier.
8,7 x 7,3 cm
Privatsammlung. Alle Rechte vorbehalten
Foto: S. Mroczkowski
9 x 15 cm
Collage, Aufkleber auf Briefumschlagpapier
Privatsammlung. Alle Rechte vorbehalten
Klebepunkte auf Postkarte „Gare de Strasbourg“ (Bahnhof Straßburg)
Privatsammlung. Alle Rechte vorbehalten
Foto: J-F. Biellmann
7 x 13 cm
Collage, Aufkleber auf doppeltem Papierbildträger
Privatsammlung. Alle Rechte vorbehalten
10 x 8 cm
Collage, Klebepunkte auf Karton
Privatsammlung. Alle Rechte vorbehalten
20 x 10 cm
Collage, Klebepunkte auf Papier
Privatsammlung. Alle Rechte vorbehalten